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24/7 Notfallkonzept Delir

Mit NEWS2 zwischen symptomorientierter Soforttherapie und Notfallmedizin entscheiden

Ein Delir ist häufig das erste sichtbare Zeichen einer schwerwiegenden, lebensbedrohlichen und akuten Erkrankung: Hypoxie, Sepsis, Kreislaufinstabilität, metabolische Entgleisung, Entzug oder schwere Medikamentennebenwirkungen können dahinterstehen. Für viele dieser Notfälle existieren strikte zeitliche Vorgaben – etwa beim ST-Hebungsinfarkt oder bei Sepsis. Auch beim Delir selbst ist Zeit relevant: Eine längere Delirdauer ist mit schlechteren kognitiven und funktionellen Langzeitschäden verbunden. (1) Diese Erkenntnisse sind bekannt – im klinischen Alltag fehlt daraus aber eine klare, verbindliche Konsequenz.

Genau hier setzt unser 24/7-Notfallkonzept Delir an: 

1. Priorisierung mit NEWS2

Früh wird der NEWS2 erhoben, weil er unabhängig von der zugrunde liegenden Ursache hilft, kritisch kranke Patient zu erkennen. NEWS2 diagnostiziert kein Delir und erklärt nicht dessen Ursache. Er beantwortet aber die entscheidende erste Frage: Liegt eine vitale Gefährdung vor, die sofortige Notfallmedizin mit Diagnostik, Monitoring und Eskalation erfordert?

Gerade bei knappen ärztlichen, pflegerischen, diagnostischen und intensivmedizinischen Ressourcen braucht Delirmanagement  eine professionelle Priorisierung. Nicht jeder delirante Patient kann und sollte reflexhaft vollständig notfalldiagnostisch abgearbeitet oder intensivmedizinisch übernommen werden. Gleichzeitig dürfen vital gefährdete Patient nicht übersehen werden.

Denn nicht alle deliranten Patient sind vital bedroht. Viele benötigen schnelle symptomorientierte Soforttherapie: Schmerzbehandlung, Reorientierung, Behandlung von Harnverhalt, Dyspnoe, Durst, Hunger, Entzug oder soziale Deprivation.  Vor allem mit nicht-medikamentösen Maßnahmen und einer gut strukturierten Bedarfsmedikation kann das Delir frühzeitig behandelt werden. Auch vermeidbare Intensivaufnahmen sollen verhindert werden. Die Intensivstation ist für kritisch Kranke unverzichtbar, kann für weniger gefährdete delirante Patient aber selbst ein delirogener Ort sein: Überwachung, Sedierung, Immobilität, Schlafstörung und Desorientierung können eine ungünstige Spirale verstärken. Ziel ist daher nicht weniger Versorgung, sondern die richtige Versorgung am richtigen Ort.

2. Klare zeitliche Vorgaben

Die Diagnose Delir ist Zeitpunkt 0. Dem folgt ein verbindliches Zeitfenster mit klaren Vorgaben: Wer tut was, wann und warum?  Dabei darf eine symptomorientierte Therapie auch bei fragilen, hoch belasteten aber nicht vital gefährdeten Patienten keinen Aufschub erfahren. Wir starten in unserem Konzept regelhaft mit einem "Analgesie Versuch". Insbesondere bei agitierten Patienten ist ein unerkannter Schmerz eine häufige Delir Ursache.

Andererseits sind viele akute Erkrankungen, die sich erstmals als Delir zeigen, selbst zeitkritisch – etwa Sepsis, Hypoxie oder Kreislaufinstabilität. Deshalb reicht es nicht, Delir als Risiko zu benennen.

Zusammenfassend:

Das 24/7 Notfallkonzept Delir bedeutet: Delir ernst nehmen, klare Zeitvorgaben schaffen und früh unterscheiden, wer sofort ärztliche Notfallmedizin braucht – und wer schnelle, strukturierte symptomorientierte Therapie ohne unnötige Überdiagnostik oder vermeidbare Intensivaufnahme benötigt.

1. Pandharipande PP, Girard TD, Jackson JC, Morandi A, Thompson JL, Pun BT, et al. Long-term cognitive impairment after critical illness. N Engl J Med. 2013;369(14):1306–1316. doi:10.1056/NEJMoa1301372.

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