St. Vinzenz-Hospital

Endokrine Chirurgie

Schilddrüse & Co.

Die Endokrine Chirurgie beschäftigt sich mit den Erkrankungen der Schilddrüse, Nebenschilddrüse, der Bauchspeicheldrüse und der Nebenniere.

Erkrankungen der Schilddrüse

Die Schilddrüse ist ein schmetterlingsförmiges Organ am Hals unterhalb des Kehlkopfs vor der Luftröhre und produziert das lebenswichtige Hormon Thyroxin. Dafür benötigt sie Jod aus der Nahrung, das in vielen Lebensmitteln wie z. B. im Seefisch, in Spinat, in Kartoffeln, im Jodsalz und in Milchprodukten enthalten ist.

Die empfohlene Tagesdosis für eine gesunde Schilddrüse betrrägt für Erwachsene 150 - 200 Mikrogramm. Die Hormonproduktion wird zentral durch die Hirnanhangdrüse, die Hypophyse gesteuert, die in Abhängigkeit vom Blutspiegel das TSH ausschüttet, das die Schilddrüsenfunktion reguliert.

Trotz gesunder Ernährung kann es zu Funktionsstörungen kommen. Zum Einen ist es die Unterfunktion Hypothyreose, der meist entzündliche Ursachen zu Grunde liegen. Die Therapie besteht in der Gabe von Schilddrüsenhormonen und nachfolgenden Kontrollen. Anders ist es bei der Überfunktion Hyperthyreose. Die Ursache dafür kann die Autoimmunerkrankung Morbus Basedow oder die autonome Schilddrüsenerkrankung Heisse Knoten ohne steuerbare Schilddrüsenaktivität sein. In diesem Fall wird Ihr Hausarzt Sie an den Spezialisten - den Nuklearmediziner oder den Endokrinologen - überweisen. Eine zunächst konservative Therapie wird eingeleitet. Durch Gabe von Radiojod oder von sogenannten Thyreostatika wird der Hormonspiegel im Blut gesenkt. Lebenslang ist eine Behandlung mit solchen Medikamenten allerdings nicht möglich.

Erkrankungen der Nebenschilddrüse

Die Nebenschilddrüse besteht in der Regel aus insgesamt 4 sogenannten Epithelkörperchen, die hinter der Schilddrüse in unmittelbarer Nachbarschaft paarig (2 rechts und 2 links) liegen. Sie produzieren Parathormon, welches den Kalziumhaushalt steuert. Kalzium ist für viele Körperfunktionen, wie z. B. Knochenstoffwechsel und Muskelfunktion wichtig. Ist der Kalziumspiegel zu niedrig, kann dies medikamentös behandelt werden. Ist der Spiegel zu hoch, kann es zu vielfältigen Krankheitsbildern, wie z. B. Nierensteine, Gallensteine, Magengeschwüren, Osteoporose und vieles mehr kommen. Hier liegt meistens eine Überfunktion der Nebenschilddrüse vor. Bestätigt wird dies durch einen gleichzeitig erhöhten Parathormonspiegel im Blut. Ursächlich hierfür ist normalerweise ein einzelnes NSD-Adenom (primärer Hyperparathyreoidismus), welches durch die Ultraschalluntersuchung und eine spezielle Szinthigraphie lokalisiert werden kann. Die operative Entfernung des betroffenen Epithelkörperchens ist dann die Therapie der Wahl. In selteneren Fällen können auch alle Nebenschilddrüsen eine Überfunktion zeigen (sekundärer Hyperparathyreoidismus). Ursächlich ist ein im Blut erniedrigter Kalziumwert, meist bedingt durch chronische Erkrankungen der Niere. Hier ist eine komplexe Behandlung durch Spezialisten erforderlich.

Die Operation

Die operative Versorgung der Schilddrüse orientiert sich immer am Befund.

Es können entweder einzelne Knoten entfernt werden oder die einseitige oder beidseitige Teil- bzw. Komplettentfernung. In jedem Fall wird nur verändertes Schilddrüsengewebe entfernt, außer es handelt sich um eine bösartige Erkrankung bzw. der dringende Verdacht dafür besteht.

In leicht sitzender Rückenlagerug wird dem Patienten unter Vollnarkose ein sogenannter Kocherscher Kragenschnitt angelegt. Über diesen Zugang können beide Schilddrüsenhälften beurteilt und operativ versorgt werden. Die Länge des Hautschnitts hängt von der Größe der Schilddrüse ab. Bei kleinen Einzelknoten kann die MIVAT-Technik angewandt werden, wobei über einen maximal 2 cm langen Hautschnitt mit einer Kamera (5 mm-Optik) minimal invasiv operiert wird. Die Kamera dient der Vergrößerung und der optimalen Ausleuchtung des Operationsfeldes. Auch die Ultraschallschere kommt regelmäßig zum Einsatz, um die Operationszeit sicher und bluttrocken möglichst kurz zu halten.

Zur Darstellung und sicheren Schonung des Stimmbandnervs, der unmittelbar hinter der Schilddrüse verläuft, setzen wir bei Bedarf das Neuromonitoring ein. Es handelt sich um eine Sonde, mit der der Nerv auch bei schwersten Bedingungen (z. B. Rezidiv) elektro-physiologisch in seinem Verlauf identifiziert werden kann. Seine Intaktheit wird durch ein optisches und ein akustisches Signal dokumentiert. Sollte es dennoch zu einem Schaden kommen, ist die damit verbundene Heiserkeit meist nur vorübergehend. Es wird eine Sprachtherapie, die Logopädie, eingesetzt. Besonderes Augenmerk legen wir auf die Schonung der benachbarten Nebenschilddrüse. Diese regelt den Kalziumhaushalt. Meist durchblutungsbedingte, vorübergehende Störungen nach der Operation werden mit Kalzium-Brausetabletten behandelt. Alle näheren Einzelheiten und mögliche Komplikationen der Operation erörtern wir im persönlichen Gespräch mit Ihnen.

Die operative Versorgung der Nebenschilddrüse orientiert sich immer an der Lokalisation. Ist diese eindeutig kann die betroffene Nebenschilddrüse wie oben beschrieben in MIVAT-Technik entfernt werden. Während der Operation wird das Parathormon vor und 15 Minuten nach der Entnahme des Adenoms im Blut per Schnelltest bestimmt. Der Wert muss in dieser Zeit mindestens um 50-75 % sinken. Dann ist bewiesen, dass kein weiteres erkranktes Nebenschilddrüsengewebe im Körper aktiv ist. Ist die Lokalisation nicht eindeutig, müssen alle Epithelkörperchen freigelegt werden, bis das Erkrankte gefunden wird. Manchmal finden sich gleichzeitig auch Schilddrüsenerkrankungen, die wie oben beschrieben in gleicher Operation versorgt werden können.

Haben Sie Fragen? Wir helfen Ihnen gerne weiter!

Unsere Schilddrüsen-Sprechstunde ist dienstags, 9:00 - 11:00 Uhr.

In unserer Patienteninfo erfahren Sie mehr über Die Schilddrüse.

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